Romys Salon: Beppie Melissen als Oma Stine und Vita Heijmen als Enkelin Romy. Foto: farbfilm verleih GmbH, Berlin

Romys Salon: Beppie Melissen als Oma Stine und Vita Heijmen als Enkelin Romy. Foto: farbfilm verleih GmbH, Berlin

Mehr als 800 Mal pro Tag wird in Deutschland die Diagnose Demenz (in irgendeiner Form) gestellt. Für die Betroffenen, Angehörigen und Freunde bedeutet diese Diagnose eine enorme Belastung. Nach und nach stellen sich immer mehr neurodegenerative Erscheinungen ein. Und die Bewältigung des Alltags wird immer schwieriger. Eine gewaltige Herausforderung, die alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt.

Romys Salon: warmherziger Film über ein ernstes Thema

Stine, die sympathische Friseurin, die mit Mitte 60 noch ihren eigenen, kleinen Friseursalon betreibt, bemerkt schon eine Weile, dass ihr bestimmte Dinge nicht mehr auf Anhieb gelingen: das Rückgeld rausgeben, die Kasse am Abend machen, das Aufräumen des Geschirrs. Dabei ist sie eigentlich noch ganz lebenslustig drauf. Sie liebt ihren Beruf als Friseurin, den Umgang mit ihren Stammkunden aus der Nachbarschaft, die sie seit Jahrzehnten kennt. Und sie liebt ihre Enkelin Romy.

Oma vergisst, Romy lernt

Die zunehmenden Probleme ihrer Oma bemerkt auch Romy, deren Mutter alleinerziehend ist und als Kellnerin gerade so über die Runden kommt. Weil Romys Mutter nicht viel Zeit hat, ist Romy nach der Schule oft bei der Oma im Salon, wo sie sich nach und nach immer nützlicher, und am Ende unentbehrlich macht. Romy zählt das Geld richtig, fuchst sich in die neue Computerkasse ein und lässt sich sogar die ersten Handgriffe als Friseurin zeigen. Die niederländische Regisseurin Mischa Kamp schafft es, in ihrem sehenswerten Film Romys Salon eine Wohlfühlatmosphäre mit Spannungsmomenten aufzubauen, von der wir uns als Zuschauer gerne treiben lassen. Wobei schnell klar wird, dass Stines Krankheit voranschreitet, und die Enkelin nicht alle demenzbedingten Ausfälle ausbügeln kann. Die Spannung steigt ganz langsam, und irgendwann steht der ganze Salon und damit Stines Existenz auf dem Spiel.


Trailer von Romys Salon, Regie Mischa Kamp, Deutschland/Niederlande 2019

Glaubhaft und nicht kitschig

Die beiden Hauptdarstellerinnen, Vita Heijmen als Enkelin Romy und Beppie Melissen als Oma und Friseurin Stine, harmonieren ideal und spielen ihre Rollen hervorragend und glaubwürdig. Dabei vermeidet die Regisseurin jede Art von Kitsch und gestattet sich keine Verniedlichung der Krankheit Demenz. Zu Recht bekommt dieses niederländisch-deutsche Filmprojekt auch von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. sehr gute Noten: „Romys Salon ist ein sehr gelungener Spielfilm zum Thema Demenz. Er zeigt den allmählichen Verlauf der Krankheit in realistischer Weise mit Lichtblicken und Augenblicken besonderer Verwirrung. Romy und ihre Oma Stine werden zu Verbündeten im Umgang mit den Herausforderungen des Alltags, und die Beziehung zwischen beiden wächst dabei. Der Film ist frei von unnötigen Übertreibungen. Er berührt, lässt an manchen Stellen schmunzeln und ist nicht nur für Kinder ausgesprochen sehenswert.“ (Quelle: Berlin.de)

Kostenlos streamen

Der Film, der auf dem gleichnamigen Buch Romys Salon von Tamara Bos basiert (erschienen bei Gerstenberg), ist als DVD und in diversen Streamingdiensten erhältlich. Empfehlenswert ist der kostenlose Streamingdienst Filmfriend, für den es nur einen gültigen Ausweis einer Stadtbibliothek braucht. Filmfriend ist ein Streamingportal für deutschsprachige öffentliche Bibliotheken und hat aktuell mehr als 3.000 Filme im Angebot, jedes Jahr kommen 300 Titel dazu. Ob Ihre Stadtbibliothek dabei ist, können Sie hier prüfen. Die Stadtbibliotheken Reutlingen und Tübingen sind jedenfalls dabei. Hier der Link zum Film bei Filmfriend.

Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung!

Ihr Daniel Schmid

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