„Balancierer“ – Skulptur von Roland Martin (* 29. Juli 1927)

„Balancierer“ – Skulptur von Roland Martin (* 29. Juli 1927), Bildhauer aus Tuttlingen.

Neulich war es mal nur 29 Grad warm – und der Sommertag fühlte sich gut an, wie frühere Sommertage mit dieser angenehmen Leichtigkeit. Diese Unbeschwertheit hat der Sommer 2026 leider nicht mehr. Die Sommerhitze dauert nun schon zu viele Wochen an. In der SWR-Wettervorhersage vom 4. August benannte der Diplom-Meteorologe Sven Plöger (ARD) die Anzahl der bereits erlebten Sommertage von diesem Jahr, also Tage an denen es 25 Grad oder mehr hatte, beispielhaft für Ohlsbach, nahe Offenburg: ganze 72 Tage. Davon waren 44 Tage gar heiße Tage, das sind Tage mit 30 Grad oder mehr, bzw. 18 Tage sehr heiße Tage, das sind Tage mit 35 Grad oder mehr. Alles in allem traurige Rekorde, denn die anhaltende Hitze macht der Natur immer mehr zu schaffen: Mensch, Tier und Vegetation.

Die Folgen des vom Menschen verursachten Klimawandels können im Alltag nicht mehr ignoriert werden: Die Natur ist aus dem Gleichgewicht geraten mit katastrophalen Auswirkungen. Nach aktualisierten Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) muss die Anzahl der Menschen, die wegen hoher Temperaturen in diesem Jahr gestorben sind, noch einmal deutlich nach oben korrigiert werden: statt bisher angenommen 10.000, sind es rund 12.000 Menschen. Waldbrände wüten seit Wochen in großen Teilen Europas (und auch in Kanada) und sind kaum unter Kontrolle zu bringen. Hunderttausende Menschen, darunter auch Urlauber, mussten und müssen evakuiert werden. Ernten und Wälder verbrennen, Tiere verenden elendlich, im schlimmsten Fall verlieren Einheimische alles, was sie sich aufgebaut haben.

Ebenfalls aus dem Gleichgewicht geraten: der Wasserhaushalt

Drei Viertel der Flusspegel weisen aktuell Niedrigwasser aus, manch kleineres Flussbett, wie das der Dreisam in Freiburg, ist völlig ausgetrocknet. Den Seen geht es nicht besser. Der Bodensee, Trinklieferant für weite Teile Baden-Württembergs, ist so leer wie nie. Das liegt hauptsächlich an den viel zu geringen Niederschlagsmengen und an der starken, hitzebedingten Verdunstung. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg informiert über die aktuelle Lage der Oberflächengewässer für einzelne Regionen im Land. Den Dürremonitor des Helmholtz-Instituts finden Sie hier.

Derzeit weisen auch rund ein Fünftel der Grundwassermessstellen in Deutschland extremes Niedrigwasser aus. Beim Grundwasser sind die Ursachen hierfür komplexer. In den unterirdischen Hohlräumen sammelt sich das Wasser, das im Boden versickert. Die Häufung der Dürremonate sorgt dafür, dass sich die Wasserspeicher auch in der niederschlagsreicheren Zeit nicht mehr genügend füllen. Gewissermaßen spiegeln die Grundwasser-Messwerte den längerfristigen Trend, der durch den Klimawandel in der Atmosphäre folgt. Auch die weiter voranschreitende Versiegelung von Böden hat dazu geführt, dass immer weniger Wasser versickern kann. Schließlich spielen lokale Effekte wie die Entnahme von Grundwasser durch Landwirtschaft, Industrie und für die Versorgung von Trinkwasser eine wichtige Rolle.

Wassermangel, Hitze, Dürre: die Landwirtschaft kämpft mit großen Problemen

Wassermangel, Hitze, Dürre: die Landwirtschaft kämpft mit großen Problemen

Folgen für Ökologie und Ökonomie

Durch den extremen Wassermangel ist das Leben in den Flüssen und Seen höchstgefährdet. Und auch die wirtschaftlichen Schäden sind enorm: Ernten sind mangels Wachstum unrentabel, Schifffahrt ist nur noch sehr eingeschränkt möglich, der Transport von Rohstoffen fällt aus oder wird sehr viel teurer auf Schiene und Straße umgelagert, Kühlwasser für Industrieanlagen und Kraftwerke fehlt.

Gegensteuerung notwendig

Eine nationale Wasserstrategie gibt es seit 2023, auch hier im Blog war sie bereits Thema. Von den vielen sinnvollen Vorschlägen sind jedoch bisher nur ganz wenige abgeschlossen worden. Auf was wartet man?! Während bei der Überschwemmungskatastrophe im Ahrtal alle Politiker sich medienwirksam betroffen zeigten, wird jetzt bereits die dritte Hitzewelle mit all ihren Folgen von der Regierung weitestgehend ignoriert. Dabei hängt alles mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel zusammen. Wir müssen endlich weniger CO2 ausstoßen als immer mehr! Wir brauchen dringend mehr Klimaschutz als immer mehr Gas und Öl. Es ist unbegreiflich, wie wenig Problembewusstsein und Willen in der Regierung vorhanden sind. Wir alle müssen begreifen, dass wir gegensteuern müssen. Der bekannte Astrophysik-Professor Harald Lesch hat in einem aktuellen, sehenswerten Interview deutliche Worte gefunden:

Prof. Dr. Harald Lesch unterrichtet u.a. Astronomie und Astrophysik an der Ludwigs-Maximilians-Universität München.

Hitze und Gesundheit

Wir alle wissen, dass große Hitze die Gesundheit kranker, aber auch gesunder Menschen stark belasten kann. Welche Auswirkungen extreme Hitze auf Blutdruck, Kreislauf und Medikamente hat, und worauf besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen achten sollten, erklärt die Deutsche Herzstiftung medizinisch fundiert und ausführlich auf ihrer Homepage hier.

Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund!

Ihr Daniel Schmid

PS: Und wie waren die Sommer früher?

Die eigenen Erinnerungen, was die Sommerhitze früher betrifft, können trügerisch sein. Wenn Sie mal schauen wollen, wie sich das Klima an Ihrem Wohnort in den letzten Jahrzehnten verändert hat, lohnt sich ein Blick auf die Seite Klimanostalgie. Die Zahlen und Diagramme dort basieren auf den offiziellen wissenschaftlichen Messdaten des Deutschen Wetterdienstes, alles ist sehr übersichtlich aufbereitet. Reutlingen hat zum Beispiel 61,1 Sommertage (über 25°C) zwischen 2006 und 2025 gehabt; im Zeitraum 1951-1970 ware es 24,5 Sommertage. Alle Details zur Klimaentwicklung in Reutlngen hier. 

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